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Dänemark - ein Wintermärchen

Louisiana, Kopenhagen, minus 7 Grad

 

Eine Reise im Winter, klirrend kalt - nicht unbedingt ideal, um ein Freilichtmuseum zu besuchen. Keines im üblichen Sinne, keine historischen Häusschen, keine nahezu ausgestorbenen Rinder, keine im Holzkohleofen frisch gebackenen Brote.

Stattdessen Henry Moore am Öresund, Richard Serra mit Blick auf Schweden und Giacomettis „Große Schreitende“ vor wildem Gartenpanorama. 

 

Ich rede von Louisiana, dem Museums Dänemarks für die klassische Moderne, nahe Kopenhagen und direkt an der Ostsee gelegen. 

 

Als Kind weilte ich nahezu jede Schulferien an der deutschen Ostseeküste, ich kenne jedes Wetter dort und all die verregneten Sommer, ich zeltete sogar zum 18. Geburtstag (im Winter!) auf Bauers Wiese. 

Meine Kinder verbrachten fröschefangend und treckerfahrend ihre Sommer dort, herrlich frei in großen Parks mit alten rauschenden Bäumen, wiederum mit Blick auf diese träge schwere See.

Stets eine stehengebliebene Zeit, fast wie bei Astrid Lindgren. Letztlich sehr kostbar. 

 

Nun also Louisiana, mein Traum seit ich Knud Jensens Biographie „Mein Louisiana-Leben“ las - die Verbindung meiner großen Leidenschaften: Natur und Kunst. 

Und noch ein Traum: ein Museum, zu dem man segeln kann… in eine Landschaft voller Skulpturen, kein kleinlich arrangierter Landschaftspark zwischen Eisbegoninen, Stadtautobahn und welkem Laub - nein, frei und offen den Elementen ausgesetzt wollte ich Calder und Co. begegnen.

 

 

Nun, was soll ich sagen. Der Öresund ist eine ostseeische Meerenge, der Park ist doch eher klein, das Haus überaus voll (Picasso Ceramics war gerade eröffnet) - Moores Plastiken liegen sehr majestätisch vor Meereswolken, durch den bronzenen Bauch guckt man aufs Wasser - schon schön.
Und doch hatte ich mehr erwartet, erhofft - was eigentlich? Mehr Größe? 

 

 

Das Haus ist zusammengewürfelt aus vielen Anbauten, große Fenster, ja, aber eben kein Richard Meier Bau, es muss viel schöner in seinen Anfangsjahren gewesen sein, leerer eben, mehr der Natur überlassen und mehr der Kunst. Weniger den Besucherströmen aus aller Welt, die hungrig sind auf Highlights und Namen und Smorrebröd in einer an eine Mischung aus McDonalds und Ikea erinnernden Cafeteria.

 

 

Und vielleicht, denke ich manchmal, ist die Vorstellung, der Traum von einem Ort, einem Ziel, eine Idee davon oft schöner als die Verwirklichung selber.

 

Vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt.

 

 

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